Sebastian Cario

Rechner

Unternehmenswert-Rechner: was ein Käufer für Ihr Unternehmen zahlen kann

Der Preis eines mittelständischen Unternehmens ist selten das, was ein Bewertungsmodell ausrechnet. Er ist das, was ein Käufer finanziert bekommt. Dieser Rechner zeigt beide Zahlen nebeneinander und macht sichtbar, welche der fünf Bankgrenzen den Preis in Ihrem Fall deckelt.

Sie denken über einen Verkauf oder eine Nachfolge nach. Dann ist die entscheidende Frage nicht, was ein Gutachter für Ihr Unternehmen ansetzt, sondern was ein ernsthafter Käufer aufbringen kann, ohne dass die Bank abwinkt. Aus Ihrem bereinigten EBIT und einem branchenüblichen Multiple ergibt sich eine Preisvorstellung. Ob diese Vorstellung finanzierbar ist, entscheidet Ihr eigenes Unternehmen, denn es muss den Kapitaldienst tragen.

Liegt Ihre Preisvorstellung über der Finanzierungsgrenze, scheitert ein Verkauf nicht am fehlenden Interesse, sondern still an der Bank des Käufers. Das ist der häufigste Grund, warum Verkaufsprozesse im Mittelstand nach der Due Diligence auslaufen. Wer die Grenze vorher kennt, verhandelt anders: über die Struktur des Kaufpreises statt über seine Höhe.

Der Rechner

Alle Beträge in Tausend Euro. Die Startwerte beschreiben ein typisches inhabergeführtes Unternehmen. Die Annahmen der Bank stehen aufgeklappt unter den Grundangaben.

Das Unternehmen
Die Mittel des Käufers

Annahmen der Bank
Konditionen
Nachrangmittel
Auflagen
Betrieb und Transaktion

Kapitalstapel beim eingegebenen Kaufpreis

Anteile am Gesamtinvest. Die Bank deckelt sich bei 50 bis 60 Prozent, im Maximum 70. Alles darunter muss aus Eigenkapital und eigenkapitalähnlichen Mitteln kommen.

Die fünf Grenzen der Bank

Das maximale Darlehen ist das Minimum. Die rote Marke zeigt, was der eingegebene Kaufpreis erfordert.

Mittelherkunft und Mittelverwendung

Beim eingegebenen Kaufpreis von Tsd €.

Kapitaldienst über die Laufzeit

Freier Cashflow = EBITDA − Steuern − Ersatzinvestitionen − Working-Capital-Aufbau. Mezzanine und Verkäuferdarlehen laufen endfällig, während der Bankfrist fließt nur die Vergütung. DSCR grün ab 1,5, gelb bis zur Mindestauflage, rot darunter.

Stresspfade der Bank

EBITDA und EBIT sinken, Ersatzinvestitionen und Working Capital bleiben stehen. So rechnet die Kreditabteilung, deshalb fällt der DSCR hier schneller als in der Sensitivität darunter.

Sensitivität über verschiedene Unternehmen

Niedrigster DSCR über die Laufzeit bei anders großem Ergebnis und anderem Multiple. Hier skalieren Ersatzinvestitionen und Working Capital mit, weil es um ein anderes Unternehmen geht, nicht um einen Einbruch bei diesem.

tragfähig, alle fünf Grenzen eingehalten grenzwertig, eine Auflage gerissen nicht finanzierbar

Wie der Kaufpreis entsteht

Die Rechnung besteht aus zwei Gleichungen, die zusammenpassen müssen. Die erste bildet den Preis, die zweite seine Finanzierung.

Kaufpreis = Multiple × EBIT. Bei einer Transaktion debt and cash free entspricht der Kaufpreis dem Enterprise Value. Finanzverbindlichkeiten und Kasse bleiben außen vor.

Kaufpreis + Nebenkosten + Betriebsmittel = Eigenkapital + Mezzanine + Verkäuferdarlehen + Bankdarlehen. Was rechts nicht zusammenkommt, kann links nicht bezahlt werden.

Die fünf Grenzen im Einzelnen

GrenzeFormelÜblich im Mittelstand
Leverage. Verschuldungsdeckel der Bank, gemessen am nachhaltigen Ergebnis vor Abschreibungen.D ≤ L × EBITDAL = 3,0 bis 3,5
Kapitaldienst. Der freie Cashflow muss Zins und Tilgung mit Abstand tragen. Die Vergütung für Mezzanine und Verkäuferdarlehen geht vorweg ab.D ≤ (FCF/DSCR − NR) / KFDSCR ≥ 1,2
Eigenmittelquote. Eigenkapital, Mezzanine und der anrechenbare Teil des Verkäuferdarlehens, gemessen am Gesamtinvest.D ≤ (EK+MZ+q·VD)/e − EK − MZ − VDe = 30 bis 50 %
Bankanteil. Die Bank begrenzt ihren Anteil am Gesamtvolumen, unabhängig davon, wie die Eigenmittel zusammengesetzt sind.D ≤ b/(1−b) × (EK+MZ+VD)b = 50 bis 70 %
Sicherheiten. Beleihungswert von Anlagevermögen, Immobilien und Forderungen. Bei Dienstleistern heißt die Antwort in der Praxis nicht mehr Sicherheit, sondern mehr Mezzanine.D ≤ Beleihungswertoft die härteste Grenze

KF ist der Kapitaldienstfaktor im schwersten Jahr: bei Annuität i / (1 − (1+i)−m), beim Tilgungsdarlehen i + 1/m, jeweils über die Tilgungsjahre m. Der freie Cashflow ist das EBITDA abzüglich Steuern, Ersatzinvestitionen und Working-Capital-Aufbau. Wichtig dabei: Tilgung wird immer aus versteuertem Gewinn geleistet, nur Zinsen und Vergütungen mindern die Steuerlast. Genau deshalb liegt die finanzierbare Grenze regelmäßig unter dem, was eine reine Ertragswertrechnung nahelegt.

Was Mezzanine ist und warum es zwei Gesichter hat

Mezzanine ist eine stille Beteiligung, im Mittelstand meist von der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft des Bundeslandes, in Höhe des ein- bis anderthalbfachen Eigenkapitals des Käufers. Die Bank rechnet sie als Eigenmittel, dadurch hebelt sie das Eigenkapital des Käufers und ersetzt fehlende Sicherheiten. Dafür kostet sie eine Vergütung, in der Regel zwischen 8 und 10 Prozent, und wird nach Ende der Laufzeit endfällig zurückgezahlt. Beides sieht man im Rechner: Mezzanine hebt die Kaufpreiskapazität deutlich, belastet aber den Kapitaldienst und hinterlässt am Ende der Bankfrist einen Refinanzierungsbedarf. Bei viel Mezzanine ist deshalb meist der Kapitaldienst die bindende Grenze, nicht mehr der Leverage.

Welche Multiples im Mittelstand realistisch sind

Für inhabergeführte Unternehmen mit einem EBITDA unter fünf Millionen Euro liegen die gehandelten Multiples deutlich unter dem, was aus Pressemeldungen über große Transaktionen bekannt ist. Die folgenden Werte sind EBITDA-Multiples für die Größenklasse Micro-Cap aus dem quartalsweise erhobenen KMU-Multiples-Report der Deutschen Unternehmerbörse, Stand zweites Quartal 2026.

BrancheEBITDA-Multiple
Software und digitale Plattformen6,3 – 8,0
Medizintechnik und Life Sciences6,1 – 8,0
IT-Services und Systemhäuser5,7 – 6,8
Finanzdienstleistungen und Versicherungsmakler5,0 – 6,5
Telekommunikation und Infrastruktur4,8 – 6,7
Handel: E-Commerce und Versand4,3 – 6,9
Elektrotechnik und Elektronik4,2 – 6,2
Immobiliendienstleistungen und Facility Management4,1 – 5,0
Gesundheitswesen: Pflege und Dienstleister4,0 – 6,0
Bauhaupt- und Baunebengewerbe3,8 – 5,0
Transport, Logistik und Spedition3,7 – 5,2
Unternehmensnahe Dienstleistungen3,5 – 5,5
Maschinen- und Anlagenbau3,5 – 4,5
Metallverarbeitung und Fertigungstechnik3,4 – 4,2
Groß- und Einzelhandel, stationär3,4 – 5,0
Konsumgüter ohne Lebensmittel2,4 – 4,0

Quelle: DUB KMU Multiples Q2/2026. Micro-Cap bedeutet dort ein EBITDA unter fünf Millionen Euro. Die Werte beruhen auf aggregierten Einschätzungen von M&A-Beratern im deutschsprachigen Raum, nicht auf Kaufpreisdatenbanken.

EBIT oder EBITDA

Marktdaten werden meist als EBITDA-Multiple veröffentlicht, verhandelt wird im kleineren Mittelstand häufig auf EBIT. Beides ist zulässig, solange man es nicht vermischt. Im Rechner stellen Sie oben um, worauf sich das Multiple bezieht. Als Orientierung: Ein Unternehmen mit hohem Anlagevermögen hat einen großen Abstand zwischen EBIT und EBITDA, und genau dieser Abstand geht später als Ersatzinvestition wieder ab. Ein EBITDA-Multiple, das die Investitionslast ignoriert, überzeichnet den finanzierbaren Preis erheblich.

Was das Multiple nach oben oder unten bewegt

  • Abhängigkeit vom Inhaber. Hängen Kunden, Vertrieb und Fachwissen an einer Person, sinkt das Multiple spürbar, weil genau diese Person das Unternehmen verlässt.
  • Kundenkonzentration. Ein Kunde mit mehr als 25 Prozent Umsatzanteil kostet regelmäßig einen halben bis ganzen Multiplikatorpunkt.
  • Wiederkehrende Umsätze. Wartungs-, Service- und Rahmenverträge werden höher bewertet als Projektgeschäft.
  • Investitionsstau. Aufgeschobene Ersatzinvestitionen mindern den Preis um ihren Nachholbedarf, oft mehr als das.
  • Qualität der Zahlen. Sauber bereinigte Jahresabschlüsse und eine belastbare Monatsauswertung verkürzen die Due Diligence und verhindern Abschläge aus Unsicherheit.

Warum die Finanzierbarkeit den Preis deckelt

Ein Käufer kann Ihnen jeden Preis nennen. Bezahlen kann er nur den, den seine Bank mitträgt. Setzen Sie im Rechner Ihr Ergebnis und ein Multiple ein, das Sie für angemessen halten, und schauen Sie auf die Finanzierungslücke: Sie zeigt, wie viel Kaufpreis über der Grenze liegt.

Wenn dort eine Lücke steht, gibt es drei Wege, und keiner davon heißt Preis senken. Mezzanine einer Beteiligungsgesellschaft zählt bei der Bank als Eigenmittel und hebelt das Eigenkapital des Käufers auf das Doppelte oder mehr. Das ist im deutschen Mittelstand der Standardweg, wenn ein Nachfolger fachlich passt und finanziell knapp ist. Ein Verkäuferdarlehen, das endfällig und länger als die Bank läuft, wird voll als Eigenmittel angerechnet und hebt den erzielbaren Gesamtpreis oft stärker, als es Sie an Verzinsung kostet. Ein Asset Deal macht den Kaufpreis für den Käufer abschreibbar und erhöht seinen freien Cashflow um grob 20 bis 30 Prozent, allerdings zu Lasten Ihrer eigenen Steuerlast.

Der praktische Rat: Klären Sie diese Frage, bevor Sie in einen Prozess gehen. Ein Käufer, der die Struktur früh mit Ihnen durchrechnet, ist verlässlicher als einer, der Ihre Preisvorstellung zunächst bestätigt und sechs Monate später mit dem Bankvotum zurückkommt.

Häufige Fragen

Was ist mein Unternehmen wert?

Im Mittelstand wird der Preis fast immer als Vielfaches des nachhaltigen Ergebnisses gebildet. Entscheidend ist das bereinigte Ergebnis: ein marktüblicher Unternehmerlohn wird angesetzt, private Aufwendungen und einmalige Effekte werden herausgerechnet. Erst auf diese Zahl wird das Multiple angewendet. Zwei Unternehmen mit identischem Jahresüberschuss können deshalb sehr unterschiedliche Preise erzielen.

Warum ist der finanzierbare Preis oft niedriger als der rechnerische Unternehmenswert?

Weil der Käufer den Kaufpreis nicht aus vorhandenem Vermögen zahlt, sondern aus dem künftigen Ergebnis Ihres Unternehmens. Die Bank finanziert nur, was dieses Ergebnis an Kapitaldienst trägt, und legt darauf einen Sicherheitsabstand. Das Minimum aus Leverage, Kapitaldienstfähigkeit, Eigenmittelquote, Bankanteil und Beleihungswert ist die harte Obergrenze.

Wie viel Eigenkapital braucht ein Käufer?

Als Faustregel trägt Eigenkapital das 1,7-fache als Kaufpreis, wenn allein eine Bank finanziert. Kommt Mezzanine einer Beteiligungsgesellschaft dazu, sind das Drei- bis Vierfache erreichbar, mit einem Verkäuferdarlehen noch mehr. Bei 500.000 Euro Eigenkapital sind das grob 850.000 Euro ohne und 1,5 bis 2 Millionen Euro mit Mezzanine.

Was ist Mezzanine und wer gibt es?

Eine stille Beteiligung, die zwischen Eigenkapital und Bankdarlehen steht. Im Mittelstand kommt sie meist von der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft des jeweiligen Bundeslandes, typisch in Höhe des ein- bis anderthalbfachen Eigenkapitals des Käufers. Die Bank rechnet sie als Eigenmittel, weshalb sie fehlende Sicherheiten ersetzt und die Kaufpreiskapazität deutlich hebt. Dafür kostet sie eine Vergütung von in der Regel 8 bis 10 Prozent und wird am Ende der Laufzeit auf einmal zurückgezahlt.

Was bedeutet debt and cash free?

Der Kaufpreis bezieht sich auf das schuldenfreie und kassenfreie Unternehmen. Finanzverbindlichkeiten und liquide Mittel werden zum Stichtag verrechnet. Für den Käufer heißt das, dass er keine Liquidität übernimmt und den laufenden Betriebsmittelbedarf zusätzlich finanzieren muss. Die Definition des normalisierten Working Capital im Kaufvertrag ist der häufigste versteckte Preisbestandteil, über den in der Schlussphase noch verhandelt wird.

Was ist ein Verkäuferdarlehen und warum wird es empfohlen?

Ein Teil des Kaufpreises bleibt als nachrangiges Darlehen beim Verkäufer stehen. Wie viel davon die Bank als Eigenmittel anrechnet, hängt an der Ausgestaltung: läuft es endfällig und länger als das Bankdarlehen, zählt es voll, ist es kürzer oder wird laufend getilgt, nur zur Hälfte oder gar nicht. Für die Bank ist es ein Vertrauenssignal, weil der Verkäufer weiter am Erfolg hängt. In der Summe erhöht es den erzielbaren Gesamtpreis meist deutlich mehr, als der Verkäufer an Zinsen und Wartezeit einbüßt.

Was ist der DSCR?

Der Debt Service Coverage Ratio setzt den freien Cashflow ins Verhältnis zu Zins, Tilgung und der Vergütung für Nachrangmittel. Banken verlangen üblicherweise mindestens 1,2, also 20 Prozent Puffer, und rechnen dabei Stresspfade mit 10 bis 30 Prozent weniger Ergebnis durch. Fällt der Wert unter die Marke, ist der Kaufpreis rechnerisch nicht tragfähig, auch wenn Leverage und Sicherheiten reichen.

Warum rechnet der Rechner mit EBIT statt mit dem Umsatz?

Der Umsatz sagt nichts darüber aus, ob ein Unternehmen einen Kredit bedienen kann. Getilgt wird aus dem Ergebnis nach Steuern. Umsatz-Multiples sind nur dort üblich, wo das Ergebnis strukturell verzerrt ist, etwa bei stark wachsenden Softwareunternehmen.

Ersetzt der Rechner eine Unternehmensbewertung?

Nein. Er ist ein Werkzeug für die erste Einordnung und beantwortet eine einzige Frage: Ist ein Preis in dieser Größenordnung finanzierbar. Eine belastbare Bewertung berücksichtigt Bereinigungen, Planungsrechnung, Auftragsbestand, Verträge und Risiken. Und wie ein konkretes Angebot aussieht, entscheidet sich ohnehin im Gespräch.

  • Sie denken über eine Nachfolge nach?

    Ich suche ein mittelständisches Unternehmen zur Übernahme und führe es selbst weiter. Kein Makler, kein Finanzinvestor, kein Weiterverkauf. Was mein Suchprofil umfasst und wer ich bin, steht auf der Startseite. Ein erstes Gespräch ist unverbindlich und vertraulich.

    Kontakt aufnehmen

Der Rechner dient der ersten Einordnung und ist weder ein Finanzierungsangebot noch eine Unternehmensbewertung, Steuer- oder Rechtsberatung. Konditionen, Auflagen und Beleihungswerte legt die finanzierende Bank im Einzelfall fest. Die Eingaben werden ausschließlich im Browser verarbeitet und weder übertragen noch gespeichert.